Umgang mit Druck: meine 3 Tools, mit denen ich Führungspersonen aus dem Stress-Modus hole
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Wie bleibst du unter Druck handlungsfähig – bei hohen Erwartungen, wichtigen Entscheidungen oder im Rampenlicht?
Druck ist allgegenwärtig – in Meetings, in Beziehungen, bei Entscheidungen. Er kann uns beflügeln, aber auch blockieren.
Der Umgang mit Druck entscheidet, welches von beidem passiert: Nicht der Druck selbst macht den Unterschied, sondern wie wir ihn steuern.

Das Wichtigste in Kürze
Nicht der Druck selbst entscheidet, sondern wie du ihn steuerst – das ist der Kern eines guten Umgangs mit Druck.
Schon 6 Sekunden bewusstes Innehalten reichen, um dein Gehirn aus dem Alarmzustand zu holen.
Selbstmitgefühl statt Selbstkritik hilft dir nachweislich, unter Druck bessere Entscheidungen zu treffen.
Wer sich selbst gut führt, kann auch andere gut führen – das senkt Stress und Burnoutrisiko im Team spürbar.-
Drei einfache Schritte für den Alltag: stoppen und bewusst atmen, dir erlauben, nicht perfekt zu sein, und deine Stärken gezielt einsetzen.
Die Inhalte dieses Blogartikels
Was passiert bei Druck?
Druck beginnt mit einer klaren Definition: Druck entsteht, wenn Anforderungen die verfügbaren Ressourcen übersteigen – zeitlich, emotional, mental oder körperlich.
Neurowissenschaftlich betrachtet aktiviert unser Gehirn in solchen Situationen den Sympathikus, unser Stresssystem:
Der Herzschlag beschleunigt sich,
die Muskeln spannen sich an,
der Tunnelblick setzt ein.
Kurzfristig kann das leistungssteigernd wirken.
Langfristig aber macht Dauerstress krank, blockiert unsere Denkfähigkeit und untergräbt gute Entscheidungen.
Studien zeigen: Chronischer Druck schwächt nicht nur unser Immunsystem, sondern reduziert auch unsere kognitive Flexibilität – genau das, was wir in fordernden Situationen eigentlich bräuchten (McEwen, 2007).
Wie stark dich Druck aus der Bahn wirft, hängt auch davon ab, worauf du deinen Fokus richtest – im Artikel zum Circle of Influence zeige ich dir, wie du dich auf das konzentrierst, was du wirklich beeinflussen kannst.
Beispiel aus dem Business: Druck im Projektmeeting
Nehmen wir Anna, Projektleiterin in einem mittelständischen Unternehmen.
Ein Millionenprojekt droht zu scheitern, das Team ist überfordert, der CEO erwartet schnelle Lösungen.
Anna spürt den Druck auf allen Ebenen.
In einem entscheidenden Meeting fühlt sie sich gehetzt und unsicher – sie argumentiert fahrig und merkt später, dass sie einen wichtigen Punkt vergessen hat.
In einem Coaching analysieren wir gemeinsam:
Welche Gedanken gingen ihr (vor und nach dem Meeting) durch den Kopf?
Was ist gut gelaufen im Meeting?
Welche inneren Antreiber waren aktiv („Ich darf keine Fehler machen“, „Ich muss jetzt liefern“)?
Welche körperlichen Signale hat sie übergangen?
Durch stetige Reflexion, Achtsamkeitstechniken und gesundem Selbstmanagement gelingt es Anna, in künftigen Drucksituationen - wie es Viktor Frank formulierte - den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu nutzen.
Wenn sich deine Gedanken vor wichtigen Momenten auch gerne im Kreis drehen, findest du konkrete Wege aus dieser Spirale in meinem Beitrag „Wenn Grübeln zur Gewohnheit wird – wie du die Spirale nach unten mit Self-Leadership stoppst".
Weil sie sich immer besser kennen lernt und weiss, wie sie sich selbst steuern kann, wird sie ruhiger und bringt sich vor entscheidenden Meetings schon im Vorfeld in einen guten Zustand.

Beispiel aus dem Privatleben: Druck im Familienalltag
Auch im Privaten ist Druck ein häufiger Gast – etwa bei Jonas, Vater von zwei Kindern.
Nach einem langen Arbeitstag will man eigentlich nur in Ruhe mit der Familie zu Abend essen.
Doch der Sohn sitzt noch immer im Zimmer und gamt – obwohl er schon mehrmals gebeten wurde, sich an den Tisch zu setzen. Da platzt Jonas der Kragen:
„Ich hab dich dreimal gebeten, endlich den Computer auszuschalten!“
In dem Moment spürt er sofort: So wollte er nicht reagieren.
Im Nachhinein wird ihm klar: Es geht nicht nur ums Gamen.
Es ist der berufliche Druck, der sich unbemerkt in seinen Alltag geschlichen hat – seine Nerven liegen blank.
Wie du dabei klare Grenzen zwischen Beruf und Familie ziehst, zeige ich dir in meinem Artikel „Klare Grenzen setzen – 5 Strategien für mehr Energie & Fokus".
Jonas beginnt, sich über den Tag verteilt kleine Pausen zu gönnen:
im Büro kurz aufstehen, das Fenster öffnen, dreimal tief durchatmen,
ein Spaziergang über Mittag an der frischen Luft;
entspannende Musik auf der Heimfahrt
Es sind einfache, aber wirksame Routinen.
Sie helfen ihm, seinen inneren Druck frühzeitig wahrzunehmen und abzubauen – bevor er ihn ungewollt weitergibt.
So entsteht wieder Handlungsspielraum. Und genau hier beginnt Selbstführung: im bewussten Innehalten, im achtsamen Reagieren – auch dann, wenn's eng wird. Wie sich das konkret im Führungsalltag zeigt, beschreibe ich in meinem Artikel „Gewohnheiten ändern: Was ich in der Begleitung von Führungspersönlichkeiten immer wieder sehe".
Ob im beruflichen Kontext oder im Privaten – Druck ist allgegenwärtig. Doch wie wir damit umgehen, entscheidet, ob er uns lähmt oder stärkt.
Gerade in der Führungsrolle kommt es auf bewusste Steuerung an.
Was bedeutet das für Führung?
Gute Führung beginnt bei der eigenen Selbstführung unter Druck – denn Führungskräfte tragen Verantwortung, müssen Teams durch komplexe Situationen führen und sind Zielscheibe vieler Erwartungen.
Umso wichtiger ist die Fähigkeit, auch unter Druck klar zu bleiben, Orientierung zu geben und bewusst zu handeln.
Denn: So wie du dich führst, führst du auch andere.
Führungskräfte, die ihren Umgang mit Druck reflektieren und Stress gut bewältigen, fördern ein gesundes Arbeitsklima im Team. Sie schaffen psychologische Sicherheit, statt unbewusst Druck weiterzugeben.
Das wirkt sich direkt positiv auf Zusammenarbeit, Motivation und Produktivität aus – besonders in dynamischen Zeiten.
Welche Kompetenzen entscheiden 2030 über gute Führung?
Laut dem Future of Jobs Report 2025 des WEF herausgeben vom World Economic Forum (WEF) zeigt deutlich:
Psychologische Fähigkeiten wie Kreativität, Resilienz, Flexiblität, Selbstwahrnehmung, Leadership und soziale Einflussnahme sind heute ebenso zukunftsentscheidend wie technologische Themen wie Künstliche Intelligenz, Big Data oder Cybersecurity.
Sie sind teils angeboren, teils erlernt – und müssen über Jahre hinweg gezielt entwickelt, gepflegt und reflektiert werden. Diese Psychologischen Fähigkeiten gewinnen an Gewicht und helfen, sich in einem dynamischen Arbeitsumfeld bewusst auszurichten und wirksam zu handeln.
Gemeinsam formen sie das Kompetenzprofil wirksamer Führung von morgen.
Viele dieser Fähigkeiten lassen sich durch Selbstführung entwickeln und trainieren. In meinem FührungsIMPULS 1 «Positive Selbstführung: Mit Klarheit, Energie und innerer Stärke wirksam bleiben» erhalten Führungskräfte und Mitarbeitende fundiertes Wissen, praktische Werkzeuge und Raum für den gemeinsamen Austausch. In Kleingruppen von maximal zwölf Personen erarbeiten sie konkrete Hebel, mit denen sie Klarheit, Energie und innere Stärke im Arbeitsalltag fördern können.
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3 Tools für mehr Gelassenheit und Fokus
Gerade der Umgang mit Stress als Führungskraft lässt sich trainieren – hier meine drei bewährtesten Tools dafür aus der Positive Psychologie, Resilienzforschung und Neurowissenschaft:
Tool 1 - Bewusstes Innehalten: Der Raum dazwischen
Der Neuropsychologe Rick Hanson beschreibt, wie wir durch Achtsamkeit neuronale Stressmuster unterbrechen können.
Bereits 6 Sekunden bewusstes Innehalten genügen, um das Gehirn aus dem Alarmzustand zu holen (Hanson, 2013).
Mini-Übung
→ Atme 3x tief durch.
→ Spüre: Was passiert gerade – in deinem Körper, deinen Gedanken, deinen Gefühlen?
→ Frage dich: Was ist jetzt wirklich wichtig?
Wenn du diesem bewussten Innehalten noch mehr Raum geben willst, findest du in meinem Artikel "Innehalten statt weiterrennen: Waldbaden als Schlüssel gesunder Führung" eine weitere wirksame Methode dafür.
Tool 2 - Selbstmitgefühl statt Selbstkritik
Dr. Kristin Neff zeigt in zahlreichen Studien: Menschen mit hohem Selbstmitgefühl gehen nachweislich gelassener mit Druck um und treffen bessere Entscheidungen (Neff, 2011).
Selbstmitgefühl heißt nicht Nachsicht, sondern: sich selbst freundlich zu begegnen – besonders, wenn es nicht rund läuft.
Reflexionsfrage
Was würdest du deinem besten Freund sagen, wenn er gerade unter Druck steht?
Tool 3 - Positive Selbstführung
Gerade in der Führung zählt: Wer sich selbst gut führen kann, kann auch andere stärken.
Prof. Dr. Marco Furtner bringt es auf den Punkt: "Self-Leadership bedeutet, die eigenen Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen bewusst zu lenken, um wirksam und leistungsfähig zu bleiben".
Meine Tools auf einen Blick
Tool | Kernaussage | Quelle |
Bewusstes Innehalten | 6 Sekunden reichen, um das Gehirn aus dem Alarmzustand zu holen | Hanson, 2013 |
Selbstmitgefühl statt Selbstkritik | Führt nachweislich zu gelasseneren Entscheidungen unter Druck | Neff, 2011 |
Positive Selbstführung | Bewusste Steuerung von Gedanken, Emotionen und Verhalten | Furtner, 2018 |
Warum ist das so entscheidend?
Ohne innere Führung keine äußere Führung.
Wer innerlich überlastet oder unruhig ist, verliert die Fähigkeit zur Selbstregulation – und damit auch zur wirksamen Führung.
Deshalb starten wir im Coaching immer bei dir selbst: mit deinen Werten, deinen Stärken, positiven Emotionen und deiner Haltung – gegenüber dir selbst, anderen und der Welt.
Gemeinsame Reflexion, stärkende Fragen und ein klarer Blick auf das, was dir wirklich wichtig ist, helfen dir dabei, Klarheit, Energie und innere Stärke für deine Führungsrolle zu entwickeln.
Ein inneres Navigationssystem entwickeln
Die bewusste Selbstführung wirkt dann wie dein zuverlässiges inneres Navigationssystem. Sie schafft:
Klarheit in komplexen Situationen
Selbstwirksamkeit im Alltag
Entscheidungsstärke unter Druck
Was wirkt? – Das zeigt die Forschung
Die Studien von Dr. Markus Ebner, Entwickler des PERMA-Lead®-Modells, belegen:
Führungskräfte und Mitarbeitende, die ihre eigenen Stärken kennen und gezielt einsetzen:
senken laut Ebner (2020) ihr Burnoutrisiko um 50 %,
erleben signifikant weniger Stress;
empfinden sich als wirksamer – auch unter hoher Belastung.
Wie sich ein Burnoutrisiko frühzeitig erkennen lässt, liest du in meinem Artikel "Burnout verstehen – und rechtzeitig die Notbremse ziehen".
Trainierbare Gewohnheiten
Wer sich selbst regelmäßig Lob und Anerkennung schenkt – und bewusst wahrnimmt, was gut läuft – stärkt Motivation und Selbstvertrauen.
Eine realistische Selbsteinschätzung und achtsame Selbstbeobachtung sind dafür essenziell.
Auch ein positives Vorbild – ein Role-Model im Team, in der Wirtschaft oder Gesellschaft – kann motivieren und dir helfen, deine eigene Exzellenz zu entfalten.
Reflexionsfragen
→ In welcher Situation hast du schon einmal Druck gut gemeistert?
→ Welche deiner Stärken waren damals besonders hilfreich?
→ Wie sorgst du im Alltag für ausreichend positive Emotionen?
3 Strategien für deinen Führungsalltag unter Druck
Stopp – bewusst atmen – fokussieren
Erlaubnis geben, nicht perfekt zu sein
Stärken gezielt einsetzen & kommunizieren
Druck lässt sich nicht immer vermeiden – aber du kannst entscheiden, wie du ihm begegnen willst.
Fazit: Druck ist ein Signal, kein Urteil
Druck ist ein Teil des Lebens – im Job wie im Privaten. Aber er muss dich nicht steuern.
Wer lernt, mit Druck im Job bewusst umzugehen, gewinnt an Klarheit, innerer Ruhe und Souveränität.

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Über die Autorin | Jacqueline Scherrer
Schön, dass du da bist. Ich begleite Unternehmer:innen und Führungskräfte auf dem Weg zu innerer Exzellenz und einer Führung, die Menschen aufblühen lässt. Im Zentrum meiner Arbeit steht die Positive Psychologie: die Wissenschaft, die erforscht, was ein gelingendes Leben und Arbeiten fördert. Was ich hier schreibe, verbindet Forschung mit zwanzig Jahren Praxis und über tausend begleiteten Menschen.
Elf Jahre UBS, mehr als 20 Jahre Bildungswesen, seit 2006 selbständig als Coach bso, Organisationsberaterin mit eidg. Diplom und Beraterin in Positiver Psychologie. Der rote Faden – die Verbindung von Wirtschaft, Bildung und Menschen, die wachsen und aufblühen wollen.
Ich lebe und arbeite in Wilen bei Wil in der Ostschweiz. Meine besten Gedanken kommen mir auf meiner täglichen Waldrunde, wo ich auch Energie tanke.
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Literatur
Ebner, M. (2020). Führen mit PERMA-Lead®: Positive Leadership in der Praxis.
Furtner, M. (2018). Self-Leadership: Praxis und Anwendung
Hanson, R. (2013). Hardwiring Happiness.
McEwen, B. S. (2007). Physiology and neurobiology of stress and adaptation: central role of the brain.
Neff, K. (2012). Selbstmitgefühl - Wie wir uns mit unseren Schwächen versöhnen und uns selbst der beste Freund werden https://self-compassion.org/the-research/
World Economic Forum: Future of Jobs Report 2025. https://www.weforum.org/publications/the-future-of-jobs-report-2025/
F & Q-Box
Was hilft am besten gegen Druck im Berufsalltag?
Am wirksamsten ist bewusstes Innehalten: Schon 6 Sekunden reichen, um das Gehirn aus dem Alarmzustand zu holen (Hanson, 2013). In meiner Coaching-Praxis kombiniere ich das mit Selbstmitgefühl statt Selbstkritik und bewusster Selbstführung – drei kleine Hebel mit großer Wirkung.
Wie merke ich, dass ich zu lange unter Druck stehe?
Typische Warnzeichen sind erhöhte Herzfrequenz, Muskelverspannung und ein Tunnelblick – kurzfristig normal, aber bei Dauerstress ein Alarmsignal. Halten sie an, schwächt das nachweislich Immunsystem und kognitive Flexibilität (McEwen, 2007).
Ist Druck immer schlecht?
Nein. Kurzfristig kann Druck sogar leistungssteigernd wirken. Problematisch wird er erst, wenn er chronisch wird und wir keinen Ausgleich mehr finden – dann kippt er von Motivation in Blockade.
Wie können Führungskräfte besser mit Druck umgehen?
Indem sie zuerst bei sich selbst ansetzen: So wie du dich führst, führst du auch andere. Wer den eigenen Umgang mit Druck reflektiert, schafft ein gesünderes Arbeitsklima und gibt weniger Druck unbewusst an sein Team weiter.
Was bedeutet Selbstführung im Umgang mit Druck?
Selbstführung heißt, die eigenen Gedanken, Emotionen und Verhaltensweisen bewusst zu lenken (Furtner, 2018). Wer das trainiert, gewinnt laut Ebner (2020) spürbar mehr Klarheit und ein um
50 % geringeres Burnoutrisiko.




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