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Komplimente wirken stärker, als wir annehmen – was die Forschung zeigt

  • 19. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. März

Laura* tritt ein – und ich denke nur: Wow.


Ein eleganter monochromer Look in Dunkelblau. Ruhig. Stimmig. Wunderschön.


Ich lächle und sage spontan:


Baum im Abendlicht



Inhalt



„Du siehst grossartig aus.“


Ihr Gesicht beginnt zu leuchten.

„Ich liebe diese Farbe“, sagt sie.


Sie strahlt. Und innerlich ist bereits etwas Entscheidendes passiert: Das Kompliment löst positive Emotionen aus.


Positive Emotionen erweitern unsere Denk- und Handlungsspielräume.


Dieser Effekt spielte Laura* im Coaching-Gespräch in die Karten. Sie fand erstaunlich schnell Zugang zu ihren Ressourcen – und entwickelte mit Klarheit einen guten Umgang mit einer schwierigen Führungssituation und einem bevorstehenden Meeting mit der Geschäftsleitung, das sie seit Tagen stark beschäftigte.


Warum wir viel zu selten Komplimente machen, darum geht es in diesem Artikel.


Perspektivenwechsel: Was stärkt eigentlich andere?

Wie sich zeigt, gibt es dazu sogar Forschung.


In den meisten meiner Blogartikel ging es bisher um Self-Leadership und Positive Leadership: um wirksames, gesundes und wertschätzendes Handeln, um Umgang mit Druck, erfülltes Leben, mehr Einfluss weniger Stress, die Superkraft der Empathie, die Kunst des Geniessens, Wohlbefinden, Waldbaden und Burnout-Prävention.


Sie alle drehen sich um die handelnde Person.


Heute möchte ich die Perspektive wechseln.


Was stärkt eigentlich die Menschen um dich herum?


Komplimente sind dafür ein perfektes Beispiel. Sie sind kostenlos, schnell gemacht – und erstaunlich wirksam.


Warum geben wir sie dann so selten?



Die Fehlkalibrierung

Xuan Zhao und Nicholas Epley haben herausgefunden, dass wir systematisch unterschätzen, wie gut sich Komplimente für andere anfühlen.


Gleichzeitig überschätzen wir, wie unangenehm oder peinlich sie wirken könnten.


Dieses Phänomen nennt sich „Fehlkalibrierung“.


Es hält uns davon ab, etwas Nettes zu sagen, weil wir uns vorstellen, unsere Worte kämen unaufrichtig oder seltsam an.


Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.


Komplimente geben Menschen das Gefühl, gesehen und wertgeschätzt zu werden.


Ein paar Worte, die für uns klein wirken, können für andere eine überproportional grosse Wirkung haben.



Komplimente wirken auch auf die Gebenden

In einem randomisiert-kontrollierten Experiment forderten Sonja Lyubomirsky, Professorin für Psychologie und Autorin des grossartigen Buches „Glücklich sein – Warum Sie es in der Hand haben, zufrieden zu leben“, sowie ihre Forscherkolleg*innen Menschen dazu auf, kleine freundliche Handlungen für andere zu tun – kleine Gefälligkeiten, Gesten oder Komplimente.


Über sechs Wochen hinweg zeigten diejenigen, die so handelten, deutlich stärkere Verbesserungen ihres psychischen Wohlbefindens als jene, die etwas Gutes nur für sich selbst taten.


Wenn du ein Kompliment machst, verschönerst du also nicht nur den Tag eines anderen. Oft fühlt sich auch deine eigene Stimmung gleich ein wenig leichter an.


Mein Tipp - Das Komplimente-Experiment

Mach diese Woche und darüber hinaus ein kleines Experiment daraus:


  • Nimm dir vor, jeden Tag ein oder zwei ehrliche Komplimente zu machen.

  • Sei konkret:

    „Ich fand deine Idee grossartig, nach dem Essen einen Verdauungsspaziergang zu machen.“

„Diese Farbe steht dir richtig gut.“ "Wie gelassen du bei diesem ungeduldigen Kunden geblieben bist, hat mich

beeindruckt.“

  • Beobachte danach sowohl die Reaktion deines Gegenübers als auch deine eigene Stimmung.


Die Forschung zeigt: Die Wirkung hält länger an, als du vielleicht erwartest – für euch beide.



Schlussgedanke

Denk an das schönste Kompliment, dass du je bekommen hast. Vielleicht liegt es Jahre zurück – und trotzdem erinnerst du dich noch an die Worte.


Stell dir nun vor, du würdest diese Art von Geschenk diese Woche jemand anderem machen.


Und denk daran: Wir unterschätzen, wie gut sich Komplimente für andere anfühlen – und überschätzen, wie unangenehm sie wirken.


Also halte dich nicht zurück.


Ich wünsche dir zauberhafte Festtage mit vielen gemütlichen Momenten UND Komplimenten.


Herzlich

Jacqueline


Literaturhinweise

Boothby, E. J., & Bohns, V. K. (2021). Why a simple act of kindness is not as simple as it seems: Underestimating the positive impact of our compliments on others. Personality and Social Psychology Bulletin, 47(5), 826–840.

Nelson, S. K., Layous, K., Cole, S., & Lyubomirsky, S. (2016). Do unto others or treat yourself?: The effects of prosocial and self-focused behavior on psychological flourishing. Emotion, 16(6), 850–861.

Zhao, X., & Epley, N. (2021). Insufficiently complimentary? Underestimating the positive impact of compliments creates a barrier to expressing them. Journal of Personality and Social Psychology, 121(2), 239–256.


Laura* ist ein fiktiver Name. Auch Details der Situation wurden zum Schutz der Privatsphäre verändert.


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