Fehler machen ist Gold wert!
Aktualisiert: 25. Sept.
Mit Martin komme ich während eines Coachings auf das Thema Fehler. «Die Geschäftsleitung versteht einfach nicht, was bei uns Mitarbeitern abgeht. Drei Viertel sind unzufrieden. Die Belastung wird nicht ernst genommen: Einmal gibt es viel zu viel Arbeit, dann zu wenig. Es kann doch nicht sein, dass ich laufend Feuerwehrmann spielen muss», so erzählt er mir sichtlich frustriert.

Inhalte dieses Artikels
„Was soll ich bloß machen? Ich liebe meinen Job. Und auch nach 15 Jahren bin ich noch begeistert von der Branche.“
Rätsel: Welches neue Wort entsteht?
«Welches Wort steckt noch in „Fehler“?», frage ich Martin und sehe förmlich, wie es in seinem Gehirn arbeitet. Wir alle lieben es ja auch noch als Erwachsene, schwierige Aufgaben zu lösen. Nach einigem Nachdenken und einem Tipp von mir findet er schließlich die Lösung. Er lächelt und ist völlig elektrisiert. Was für ein riesiges Aha-Erlebnis für ihn.
Fehler vertuschen bremst auf allen Ebenen
In vielen Unternehmen werden Fehler nicht toleriert. Schlimmer noch: Sie sind völlig unerwünscht und können ein sehr ungünstiges Klima schaffen.
Denn was können sie alles auslösen?
Wenn Mitarbeiter immer peinlich darauf achten, keine Fehler zu machen, sinken zwangsläufig ihre Produktivität und Leistungsfähigkeit.
Wenn sich Mitarbeiter gegenseitig beschuldigen und aus lauter Angst vor Sanktionen die Fehler von sich weisen, wird schnell mal etwas vertuscht.
Wenn Mitarbeiter verängstigt sind, erstickt dies ihre Kreativität und Eigeninitiative schon im Keim.
Fehler sind Helfer
Warum Fehler machen Gold wert ist
Erkennen Sie nun das riesige Potential, das in Fehlern liegt? Dass sie geniale HELFER sind? Oder glauben Sie vielleicht, Edison hat die Glühbirne erfunden, ohne zu probieren, zu testen, Ideen zu verwerfen und Fehler zu machen?
Fehler helfen Ihnen als Unternehmen,
stetig besser zu werden,
zu zeigen, wo Not am Mann ist
und neue Lösungen bis hin zu Innovationen zu finden.
Werfen Sie doch mal einen Blick zurück. Von Kindsbeinen an lernen wir am besten durch Fehler. Das aufgeschürfte Knie nach dem Sturz mit dem Rad hat uns z. B. klargemacht, wie wir am besten Balance halten. Der Piks in die Backe hat uns gezeigt, wie wir am besten mit dem Besteck umgehen. Sie erinnern sich gewiss noch an einiges mehr…
Der Booster für Ihre Unternehmenskultur
Je mehr Sie Ihren Mitarbeitern erlauben, Fehler zu machen, umso
entspannter ist das Arbeitsklima (Fehler machen zu dürfen, entspannt unser ganzes Nervensystem, wie Untersuchungen eindeutig zeigen)
mehr steigt der Output (im Modus zu arbeiten „ich darf Fehler machen, natürlich nicht zweimal den gleichen) steigert enorm die Produktivität und Leistungsfähigkeit und senkt massiv den Stresspegel.
mehr Verantwortungsbereitschaft zeigen Ihnen Ihre Mitarbeiter.
Begeistert und authentisch – Der große Patron der Schweizer Uhrenbranche
Jean-Claude Biver, DER anerkannte Senior-Unternehmer der Schweizer Uhrenindustrie, würdigt jeden Fehler und noch viel verrückter: Er lädt sogar zum Fehler machen ein.
Sein Vortrag, den er bei IFJ Startimpuls** hält, hat mich mehr als begeistert. Darin erzählt er vielerlei Episoden aus seinem Unternehmertum und Privatleben, die mich zutiefst berührt haben und spricht mir dabei aus der Seele.
Ein Meeting der anderen Art
In einem Meeting bittet er seine Führungskräfte, von ihren Fehlern zu erzählen. Alle bleiben still. Na klar, wer will sich schon vor versammelter Mannschaft eine solche Blöße geben?
Was keiner weiß, Biver hat vorher seine Assistentin beauftragt, ihm Tausend-Franken-Scheine zu besorgen. Und dann offenbart er seinen geheimen Plan. Er stellt jedem CHF 1'000.00 in Aussicht, wenn er von einem Fehler erzählt und wedelt dabei fröhlich mit den Tausend-Frankenscheinen. Damit ist das Eis gebrochen. Seine Führungskräfte legen los und sind kaum mehr zu stoppen.
Jean-Claude Biver lacht herzerfrischend und gibt zu, dass ihn diese Sitzung einiges gekostet hat. Aber er fügt hinzu: „…wissen Sie, wieviel Geld ich damit einsparen konnte? Weil wir auf diese Weise Fehler nicht immer und immer wieder neu gemacht haben. Und wir dadurch sogar Innovationen und ganz neue Lösungen fanden.“
Ein Arbeitsklima der Offenheit und des Vertrauens
Ich will Ihnen damit natürlich nicht sagen, dass auch Sie nun zahlen müssen. Ich würde mich nur schon freuen, wenn Sie bei der nächsten Sitzung grad mutig beginnen und von Ihren Fehlern erzählen. Der Effekt ist meist, dass das Eis gebrochen wird und Ihre Führungskräfte und Mitarbeiter Ihnen folgen und es Ihnen gleichtun werden.
Wenn Sie ein Umfeld kultivieren, in dem Fehler verachtet werden und sich Menschen bloß gestellt fühlen, kostet Sie dies letztlich ein Vielfaches mehr. Schlechte Stimmung, Unproduktivität bis hin zu Fluktuation können dadurch entstehen. Und all das, nur weil Fehler nicht als HELFER wahrgenommen werden.
Der Juniorchef nimmt Martin staunend zur Seite
Übrigens: beim unserem nächsten Treffen kommt Martin gerade von einem Meeting mit der Geschäftsleitung und ist gut gelaunt. Dort sind sie von einem Coach begleitet worden. Das Thema ist «Feedback mit Mitarbeitern» gewesen. Als die Diskussion auf das Thema Fehler kommt, fragt Martin mutig in die Runde:
„Darf ich euch mal ein Rätsel stellen? Welches andere Wort ergibt sich aus dem Wort Fehler noch?“ Stille. Dazu fällt niemanden etwas ein. Da rückt Martin mit der Lösung heraus: Fehler sind Helfer und damit verblüfft er die ganze Runde. Am meisten jedoch den Coach, der offen zu gibt, dies noch nie gehört zu haben.
Der Juniorchef nimmt Martin nach der Sitzung zur Seite und fragt ihn: „Woher hast du das? Das ist ja genial». Schade, dass Martin bei dieser Gelegenheit noch nicht den Mut hat, dem Chef zu erzählen, dass er sich coachen lässt.

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Über die Autorin | Jacqueline Scherrer
Schön, dass du da bist. Ich begleite Unternehmer:innen und Führungskräfte auf dem Weg zu innerer Exzellenz und einer Führung, die Menschen aufblühen lässt. Im Zentrum meiner Arbeit steht die Positive Psychologie: die Wissenschaft, die erforscht, was ein gelingendes Leben und Arbeiten fördert. Was ich hier schreibe, verbindet Forschung mit zwanzig Jahren Praxis und über tausend begleiteten Menschen.
Elf Jahre UBS, zuletzt im Private Banking. Seit 2006 selbstständig, zuerst als Coach bso, dann als Organisationsberaterin mit eidg. Diplom und Beraterin der Positiven Psychologie. Parallel 20 Jahre als Ausbilderin in Persönlichkeitsentwicklungsthemen und in der Ausbildung angehender Coaches und Supervisoren. Der rote Faden: Wirtschaft und Weiterentwicklung verbinden – für Menschen, die wachsen und aufblühen wollen.
Ich lebe und arbeite in Wilen bei Wil in der Ostschweiz. Meine besten Gedanken kommen mir auf meiner täglichen Waldrunde, wo ich auch Energie tanke.
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